Das Jesus-Tor, auch Neues Tor, Kenourgia Porta oder Porta Nuova genannt, liegt an der Südseite der venezianischen Stadtmauer von Heraklion, nahe dem südlichen Ende der heutigen Evans-Straße. Es gehörte zu den wichtigsten Stadttoren Candias und verband die Stadt mit den südlichen Provinzen Kretas.
Das Tor erhielt seinen Namen von einer kleinen Christus geweihten Kirche, die einst außerhalb der Befestigung stand. Die Bezeichnung Neues Tor wurde bereits in den letzten Jahrzehnten der venezianischen Herrschaft verwendet, da das Jesus-Tor das jüngste der großen Stadttore war.
Das Bauwerk wurde 1587 während der Amtszeit des Generalprovisors Giovanni Mocenigo vollendet. Seine monumentale Renaissancefassade wird dem bedeutenden Veroneser Militärarchitekten Michele Sanmicheli zugeschrieben und gilt als eines der schönsten Bauwerke des venezianischen Candia.
Die zur Stadt gerichtete Innenfassade ist mit sorgfältig bearbeiteten Steinquadern verkleidet und entlang ausgeprägter senkrechter Achsen gegliedert. In ihrer Mitte öffnet sich das große Rundbogenportal. Kleinere Eingänge, Fenster und Treppen auf beiden Seiten führen zu den Nebenräumen über und neben dem gewölbten Durchgang. Diese Räume dienten der Aufbewahrung von Waffen und Munition sowie als Unterkunft für die Torwache.
Im Gegensatz zur aufwendig gestalteten Stadtseite war die äußere, zum Festungsgraben gerichtete Fassade wesentlich schlichter. Über dem Eingang befanden sich fünf Wappen venezianischer Amtsträger, die an die politischen und militärischen Verantwortlichen während der Fertigstellung erinnerten. Neben dem öffentlichen Stadttor besaß die herzförmige Jesus-Bastion zwei weitere Militärtore an ihrer Ost- und Westseite.
Durch das Jesus-Tor führte außerdem eine Leitung des großen, 1627–1628 errichteten Morosini-Aquädukts in die Stadt. Das Wasser kam aus Quellen an den nördlichen Hängen des Berges Juktas, wurde durch das Innere der Befestigungsanlage geleitet und versorgte schließlich den berühmten Morosini-Brunnen auf dem heutigen Löwenplatz.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde östlich des historischen Tores eine breite Öffnung in die Stadtmauer gebrochen, um dem zunehmenden Fahrzeugverkehr Platz zu schaffen. In den 1970er-Jahren überspannte man diese Öffnung mit der großen Bogenkonstruktion, die heute von vielen Einwohnern ebenfalls als Kenourgia Porta bezeichnet wird. Das ursprüngliche venezianische Jesus-Tor befindet sich wenige Meter weiter westlich.
Das historische Tor wurde restauriert und 2014 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Inneren entstand eine Ausstellung über Leben und Werk des bedeutenden kretischen Schriftstellers Nikos Kazantzakis, dessen Grab sich in geringer Entfernung auf der Martinengo-Bastion befindet. Das restaurierte Bauwerk wird außerdem für Ausstellungen, Bildungsprogramme und Kulturveranstaltungen genutzt.
Weitere Informationen
- Ort: Präfektur Heraklion
- Epoche: Venezianische Epoche (1204 n.Chr. - 1669 n.Chr.)






Jesus-Tor oder Neues Tor in Heraklion 


















































