Die historischen Brunnen

Heraklion

Bembo-Brunnen am Kornarou-Platz
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Auf der Nordseite des Kornarou-Platzes steht der eindrucksvolle Bembo-Brunnen. Unmittelbar daneben befindet sich das später errichtete osmanische Sebil des Hadschi Ibrahim Agha. Die beiden Denkmäler stammen aus unterschiedlichen historischen Epochen und bilden gemeinsam eines der charakteristischsten Architekturensembles im Zentrum von Heraklion.

Der Brunnen wurde zwischen 1552 und 1554 auf Initiative von Gianmatteo Bembo, dem venezianischen Hauptmann von Kreta, errichtet. Er bildete den Endpunkt des ersten Aquädukts, das frisches Quellwasser in die befestigte Stadt Candia leitete und damit die chronische Wasserknappheit ihrer Bewohner linderte. Zuvor war die Stadt hauptsächlich auf Brunnen und Zisternen zur Sammlung von Regenwasser angewiesen.

Die Fassade verbindet architektonische Elemente der Renaissance und der Gotik. Sie ist mit Säulen, Pilastern, pflanzlichen Reliefmotiven sowie den Wappen des Herzogs von Kreta, Alvise Gritti, und seiner Räte Giovanni Tiepolo, Giorgio Emo und Pietro Marino geschmückt. Der Wasserauslauf wird von einem kunstvoll gearbeiteten Reliefrahmen mit Pflanzenmotiven umgeben.

Im Zentrum der Anlage steht eine große kopflose männliche Statue aus der Römerzeit. Sie wurde aus dem antiken Hierapytna, dem heutigen Ierapetra, nach Candia gebracht. Wen die Figur ursprünglich darstellte, ist nicht bekannt. Die Wiederverwendung antiker Skulpturen und Bauteile in neueren öffentlichen Denkmälern war während der Renaissance weit verbreitet.

Unterhalb der Fassade befand sich ein Marmorbecken, in dem das Wasser aufgefangen wurde. Dabei handelte es sich um einen antiken römischen Sarkophag, der für diesen Zweck wiederverwendet worden war. Die ursprüngliche Anlage wurde außerdem von einem Giebel bekrönt, der später entfernt wurde und heute nicht mehr erhalten ist.

In den letzten Jahrzehnten der osmanischen Herrschaft wurde die römische Statue mit besonderen Ritualen der afrikanischen Gemeinschaft Heraklions verbunden. Die Figur wurde schwarz bemalt und stand im Mittelpunkt jährlicher Zusammenkünfte im Mai, die von Liedern und Tänzen begleitet wurden. Berichte über diesen Brauch sind in historischen Beschreibungen und frühen Fotografien des Brunnens überliefert.

Im Jahr 1938 wurde bei der Neugestaltung des Kornarou-Platzes der große Wasserbehälter entfernt, auf dem die Brunnenfassade errichtet worden war. Trotz späterer Veränderungen und des Verlustes mehrerer Bestandteile der ursprünglichen Anlage gehört der Bembo-Brunnen weiterhin zu den bedeutendsten venezianischen Denkmälern Heraklions und zu den wichtigsten Zeugnissen der historischen Wasserversorgung der Stadt.

Weitere Informationen

Ort: Präfektur Heraklion
Zugang: Asphaltstraße
Epoche: Venezianische Epoche (1204 n.Chr. - 1669 n.Chr.)

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