Tradition auf Kreta
Die lange und multikulturelle Vergangenheit Kretas spiegelt sich in allen Bereichen des heutigen kretischen Lebens wider – in der Sprache, im Tanz, in der Musik, in der Ernährung, in der Kunst und im traditionellen Handwerk.
Die Volkskultur Kretas bildet ein unerschöpfliches und bis heute lebendiges kulturelles Erbe. Bräuche, materielle und geistige Überlieferungen sowie Gewohnheiten, deren Wurzeln bis in die Antike zurückreichen, haben das Leben der heutigen Kreter entscheidend geprägt und sind über die Jahrhunderte lebendig geblieben. Der kretische Dialekt gilt als einer der ältesten erhaltenen griechischen Dialekte und ist seit Langem Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Zahlreiche Wörter sind altgriechischen oder archaischen Ursprungs, während auch die jahrhundertelange Anwesenheit von Arabern, Venezianern und Osmanen deutliche Spuren im Wortschatz hinterlassen hat.
Nachfahren des Zeus

Die Menschen auf Kreta wurden durch die Schwierigkeiten des Lebens und die raue Landschaft der Insel geprägt. Dennoch sind sie aufrichtig, stolz und herzlich geblieben und teilen ihre Gefühle, ihre Speisen und ihre Gastfreundschaft gern mit den Besuchern.
Das griechische Wort Philoxenia bedeutet Gastfreundschaft und setzt sich aus den Wörtern philos, Freund, und xenos, Fremder oder Gast, zusammen. Im tieferen Sinn bedeutet es daher, einen Fremden willkommen zu heißen und ihn wie einen Freund zu behandeln.
Als Nachfahren des auf Kreta geborenen Zeus, des Beschützers der Fremden und Gottes der Gastfreundschaft, sind die Kreter für ihre offene und uneigennützige Gastfreundschaft bekannt. Sie beruht vor allem auf Großzügigkeit und Respekt gegenüber den Mitmenschen.
Wer in einem traditionellen Kafenion eines kretischen Dorfes anhält, um nach dem Weg oder um Hilfe zu fragen, wird fast immer mindestens zu einem Glas Raki eingeladen – häufig begleitet von einem kleinen Teller mit lokalen Köstlichkeiten.
Mythen
Kreta ist untrennbar mit Mythen und Legenden verbunden, deren Ursprünge bis in die frühesten Zeiten der griechischen Geschichte zurückreichen. Nach der Mythologie brachte Rhea hier Zeus zur Welt, der später zum Vater der Götter und Menschen sowie zum Beschützer der Gastfreundschaft wurde. Sowohl die Diktäische Höhle bei Psychro als auch die Idäische Grotte sind mit seiner Geburt, seinem Schutz und seiner Erziehung verbunden.
Später nahm Zeus die Gestalt eines weißen Stieres an und entführte die schöne phönizische Königstochter Europa, die er über das Meer nach Kreta brachte. Unter der immergrünen Platane von Gortyn, die noch heute existiert, vereinigten sich Zeus und Europa. Aus ihrer Verbindung ging Minos hervor, der sagenhafte König der ersten großen europäischen Hochkultur, der minoischen Kultur. Auch der Kontinent Europa erhielt seinen Namen von der phönizischen Königstochter.
Auf Kreta soll auch der erfinderische Handwerker Dädalus das berühmte Labyrinth erbaut haben, in dem der Minotaurus gefangen gehalten wurde. Später widersetzte sich Dädalus den Grenzen des menschlichen Körpers und floh gemeinsam mit seinem Sohn Ikarus fliegend von der Insel. Im selben dunklen Labyrinth tötete Theseus den Minotaurus und fand mithilfe des Fadens der Ariadne wieder den Ausgang.
Der bronzene Riese Talos, der häufig als erster Roboter der Mythologie bezeichnet wird, war der unermüdliche Wächter Kretas. Dreimal täglich umrundete er die Insel und schützte ihre Küsten vor feindlichen Eindringlingen, bis er schließlich von den Argonauten bezwungen wurde.
Auch heute sind Legenden über Geister und übernatürliche Erscheinungen lebendig. Die bekanntesten sind die Drosoulites, geheimnisvolle Schatten, die zwischen Mai und Juni in den frühen Morgenstunden vor der Festung von Frangokastello erscheinen sollen. Der Überlieferung zufolge handelt es sich um die Seelen der Krieger, die dort im Kampf gegen die Osmanen ums Leben kamen.
Musikalische Tradition
Die Insel besitzt eine lange und außergewöhnlich reiche Musiktradition, deren Wurzeln bis in die Antike zurückreichen. Sie wurde stark von der byzantinischen Musik beeinflusst und im Laufe der Jahrhunderte durch die Musikkulturen des östlichen Mittelmeerraums bereichert. Bei Familienfeiern, Dorffesten und religiösen Festtagen kommen Einwohner und Besucher mit der besonderen Musikkultur Kretas in Berührung.
Die kretische Musik gilt als eine der lebendigsten Volksmusiktraditionen Griechenlands. Sie ist nicht in der Vergangenheit stehen geblieben, sondern entwickelt sich ständig weiter, nimmt auf kreative Weise zeitgenössische musikalische Elemente auf und bringt zugleich das heutige Leben zum Ausdruck.
Die Improvisation gehört zu den wichtigsten Merkmalen der kretischen Musiker und Tänzer. Die Musiker wiederholen nicht nur festgelegte Melodien, sondern bereichern ihr Spiel mit spontanen Variationen, die sich an der Stimmung des Festes und an den Bewegungen der Tänzer orientieren. Die Tänzer wiederum improvisieren ihre Schritte und Figuren in einem ständigen Dialog mit der Musik.
Die Mantinades sind kurze gereimte Zweizeiler, in denen sich die Gefühle, Gedanken und Alltagserfahrungen der Kreter widerspiegeln. Sie erzählen von Liebe, Trauer, Trennung, Freundschaft, Ehre und allen Empfindungen, die aus der sensiblen kretischen Seele hervorgehen. Besonders eindrucksvoll sind die traditionellen Mantinada-Duelle, bei denen ein improvisierter Vers als Antwort oder Herausforderung auf den vorherigen folgt und der musikalische Wettstreit manchmal viele Stunden dauert.
In Westkreta werden in Männergesellschaften traditionell die kraftvollen Rizitika-Lieder gesungen, die zu den ältesten erhaltenen Formen der musikalischen und poetischen Überlieferung der Insel gehören.
Die Tänze der Insel
Nach der antiken Überlieferung entstanden die griechische Musik und der Tanz zuerst auf Kreta. Rhea, die Mutter der Götter, soll sie den bewaffneten Kureten als Teil ihrer rituellen Reinigung beigebracht haben. Der bekannteste Tanz des antiken Kreta war der kriegerische Pyrrhichios. Viele der heutigen kretischen Tänze gelten als ferne Nachklänge der kreisförmigen und kämpferischen Tänze der Kureten.
Die traditionellen Tänze Kretas werden von Männern und Frauen getanzt, die bei offiziellen Veranstaltungen häufig die prachtvolle kretische Tracht tragen. Einige Tänze sind schnell und lebhaft, andere langsam und zurückhaltend, doch stets wirken sie dynamisch und eindrucksvoll. Werden sie von Männergruppen aufgeführt, erinnern ihre Bewegungen unmittelbar an die alten Kriegstänze.
Zum Klang der kretischen Lyra oder der Violine, meist begleitet von der Laouto und seltener von Instrumenten wie Boulgari, Askomandoura oder Thiamboli, bilden die Tänzer einen Kreis und führen die komplizierten Schritte der traditionellen Tänze aus. Der erste Tänzer, gewöhnlich ein Mann, wird von der rechten Hand des zweiten Tänzers gestützt und führt mit großer Geschicklichkeit besondere Sprünge und Figuren aus, die als Talímia bekannt sind.
Jede Region der Insel besitzt eigene traditionelle Tänze. Viele haben ihre ursprüngliche kreisförmige Gestalt bewahrt und werden noch heute regelmäßig getanzt. Zu den bekanntesten Tänzen Kretas gehören Pentozalis, Kastrinos Pidichtos, Sousta, Siganos und Chaniotikos Syrtos.
Die berühmte Melodie aus „Alexis Sorbas“ von Mikis Theodorakis basiert auf einer älteren Form des Chaniotikos Syrtos.
Die kretische Ernährung
Die kretische Ernährung verkörpert eine ganze Lebensphilosophie. Sie beschränkt sich nicht auf bestimmte Gerichte oder Zutaten, sondern ist eng mit der traditionellen Lebensweise
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Die lange und multikulturelle Vergangenheit Kretas spiegelt sich in allen Bereichen des heutigen kretischen Lebens wider – in der Sprache, im Tanz, in der Musik, in der Ernährung, in der Kunst und im traditionellen Handwerk.
Die Volkskultur Kretas bildet ein unerschöpfliches und bis heute lebendiges kulturelles Erbe. Bräuche, materielle und geistige Überlieferungen sowie Gewohnheiten, deren Wurzeln bis in die Antike zurückreichen, haben das Leben der heutigen Kreter entscheidend geprägt und sind über die Jahrhunderte lebendig geblieben. Der kretische Dialekt gilt als einer der ältesten erhaltenen griechischen Dialekte und ist seit Langem Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Zahlreiche Wörter sind altgriechischen oder archaischen Ursprungs, während auch die jahrhundertelange Anwesenheit von Arabern, Venezianern und Osmanen deutliche Spuren im Wortschatz hinterlassen hat.
Nachfahren des Zeus

Die Menschen auf Kreta wurden durch die Schwierigkeiten des Lebens und die raue Landschaft der Insel geprägt. Dennoch sind sie aufrichtig, stolz und herzlich geblieben und teilen ihre Gefühle, ihre Speisen und ihre Gastfreundschaft gern mit den Besuchern.
Das griechische Wort Philoxenia bedeutet Gastfreundschaft und setzt sich aus den Wörtern philos, Freund, und xenos, Fremder oder Gast, zusammen. Im tieferen Sinn bedeutet es daher, einen Fremden willkommen zu heißen und ihn wie einen Freund zu behandeln.
Als Nachfahren des auf Kreta geborenen Zeus, des Beschützers der Fremden und Gottes der Gastfreundschaft, sind die Kreter für ihre offene und uneigennützige Gastfreundschaft bekannt. Sie beruht vor allem auf Großzügigkeit und Respekt gegenüber den Mitmenschen.
Wer in einem traditionellen Kafenion eines kretischen Dorfes anhält, um nach dem Weg oder um Hilfe zu fragen, wird fast immer mindestens zu einem Glas Raki eingeladen – häufig begleitet von einem kleinen Teller mit lokalen Köstlichkeiten.
Mythen
Kreta ist untrennbar mit Mythen und Legenden verbunden, deren Ursprünge bis in die frühesten Zeiten der griechischen Geschichte zurückreichen. Nach der Mythologie brachte Rhea hier Zeus zur Welt, der später zum Vater der Götter und Menschen sowie zum Beschützer der Gastfreundschaft wurde. Sowohl die Diktäische Höhle bei Psychro als auch die Idäische Grotte sind mit seiner Geburt, seinem Schutz und seiner Erziehung verbunden.
Später nahm Zeus die Gestalt eines weißen Stieres an und entführte die schöne phönizische Königstochter Europa, die er über das Meer nach Kreta brachte. Unter der immergrünen Platane von Gortyn, die noch heute existiert, vereinigten sich Zeus und Europa. Aus ihrer Verbindung ging Minos hervor, der sagenhafte König der ersten großen europäischen Hochkultur, der minoischen Kultur. Auch der Kontinent Europa erhielt seinen Namen von der phönizischen Königstochter.
Auf Kreta soll auch der erfinderische Handwerker Dädalus das berühmte Labyrinth erbaut haben, in dem der Minotaurus gefangen gehalten wurde. Später widersetzte sich Dädalus den Grenzen des menschlichen Körpers und floh gemeinsam mit seinem Sohn Ikarus fliegend von der Insel. Im selben dunklen Labyrinth tötete Theseus den Minotaurus und fand mithilfe des Fadens der Ariadne wieder den Ausgang.
Der bronzene Riese Talos, der häufig als erster Roboter der Mythologie bezeichnet wird, war der unermüdliche Wächter Kretas. Dreimal täglich umrundete er die Insel und schützte ihre Küsten vor feindlichen Eindringlingen, bis er schließlich von den Argonauten bezwungen wurde.
Auch heute sind Legenden über Geister und übernatürliche Erscheinungen lebendig. Die bekanntesten sind die Drosoulites, geheimnisvolle Schatten, die zwischen Mai und Juni in den frühen Morgenstunden vor der Festung von Frangokastello erscheinen sollen. Der Überlieferung zufolge handelt es sich um die Seelen der Krieger, die dort im Kampf gegen die Osmanen ums Leben kamen.
Musikalische Tradition
Die Insel besitzt eine lange und außergewöhnlich reiche Musiktradition, deren Wurzeln bis in die Antike zurückreichen. Sie wurde stark von der byzantinischen Musik beeinflusst und im Laufe der Jahrhunderte durch die Musikkulturen des östlichen Mittelmeerraums bereichert. Bei Familienfeiern, Dorffesten und religiösen Festtagen kommen Einwohner und Besucher mit der besonderen Musikkultur Kretas in Berührung.
Die kretische Musik gilt als eine der lebendigsten Volksmusiktraditionen Griechenlands. Sie ist nicht in der Vergangenheit stehen geblieben, sondern entwickelt sich ständig weiter, nimmt auf kreative Weise zeitgenössische musikalische Elemente auf und bringt zugleich das heutige Leben zum Ausdruck.
Die Improvisation gehört zu den wichtigsten Merkmalen der kretischen Musiker und Tänzer. Die Musiker wiederholen nicht nur festgelegte Melodien, sondern bereichern ihr Spiel mit spontanen Variationen, die sich an der Stimmung des Festes und an den Bewegungen der Tänzer orientieren. Die Tänzer wiederum improvisieren ihre Schritte und Figuren in einem ständigen Dialog mit der Musik.
Die Mantinades sind kurze gereimte Zweizeiler, in denen sich die Gefühle, Gedanken und Alltagserfahrungen der Kreter widerspiegeln. Sie erzählen von Liebe, Trauer, Trennung, Freundschaft, Ehre und allen Empfindungen, die aus der sensiblen kretischen Seele hervorgehen. Besonders eindrucksvoll sind die traditionellen Mantinada-Duelle, bei denen ein improvisierter Vers als Antwort oder Herausforderung auf den vorherigen folgt und der musikalische Wettstreit manchmal viele Stunden dauert.
In Westkreta werden in Männergesellschaften traditionell die kraftvollen Rizitika-Lieder gesungen, die zu den ältesten erhaltenen Formen der musikalischen und poetischen Überlieferung der Insel gehören.
Die Tänze der Insel
Nach der antiken Überlieferung entstanden die griechische Musik und der Tanz zuerst auf Kreta. Rhea, die Mutter der Götter, soll sie den bewaffneten Kureten als Teil ihrer rituellen Reinigung beigebracht haben. Der bekannteste Tanz des antiken Kreta war der kriegerische Pyrrhichios. Viele der heutigen kretischen Tänze gelten als ferne Nachklänge der kreisförmigen und kämpferischen Tänze der Kureten.
Die traditionellen Tänze Kretas werden von Männern und Frauen getanzt, die bei offiziellen Veranstaltungen häufig die prachtvolle kretische Tracht tragen. Einige Tänze sind schnell und lebhaft, andere langsam und zurückhaltend, doch stets wirken sie dynamisch und eindrucksvoll. Werden sie von Männergruppen aufgeführt, erinnern ihre Bewegungen unmittelbar an die alten Kriegstänze.
Zum Klang der kretischen Lyra oder der Violine, meist begleitet von der Laouto und seltener von Instrumenten wie Boulgari, Askomandoura oder Thiamboli, bilden die Tänzer einen Kreis und führen die komplizierten Schritte der traditionellen Tänze aus. Der erste Tänzer, gewöhnlich ein Mann, wird von der rechten Hand des zweiten Tänzers gestützt und führt mit großer Geschicklichkeit besondere Sprünge und Figuren aus, die als Talímia bekannt sind.
Jede Region der Insel besitzt eigene traditionelle Tänze. Viele haben ihre ursprüngliche kreisförmige Gestalt bewahrt und werden noch heute regelmäßig getanzt. Zu den bekanntesten Tänzen Kretas gehören Pentozalis, Kastrinos Pidichtos, Sousta, Siganos und Chaniotikos Syrtos.
Die berühmte Melodie aus „Alexis Sorbas“ von Mikis Theodorakis basiert auf einer älteren Form des Chaniotikos Syrtos.
Die kretische Ernährung
Die kretische Ernährung verkörpert eine ganze Lebensphilosophie. Sie beschränkt sich nicht auf bestimmte Gerichte oder Zutaten, sondern ist eng mit der traditionellen Lebensweise, den Jahreszeiten, dem Familienleben und der gesellschaftlichen Bedeutung des gemeinsamen Essens verbunden.
Die Bewohner dieser gastfreundlichen Insel entwickelten ihre jahrtausendealten Ernährungsgewohnheiten auf der Grundlage dessen, was ihnen die kretische Erde großzügig bot: Olivenöl, Weizen, Wein, Honig, Käse und andere Milchprodukte sowie Wildgemüse und aromatische Kräuter. Fleisch kam traditionell deutlich seltener auf den Tisch, insbesondere wegen der langen Fastenzeiten des orthodoxen Kirchenjahres.
Das gemeinsame Beisammensein am Tisch, begleitet von Musik, Gesprächen und Tanz, gehört zu den beliebtesten Gewohnheiten der Kreter. Essen dient nicht nur der Ernährung, sondern ist auch eine Möglichkeit, Gastfreundschaft auszudrücken, soziale Beziehungen zu stärken und die Erzeugnisse der Insel mit Familie, Freunden und Gästen zu teilen.
Feste und Veranstaltungen
Die Kreter liebten seit jeher Kunst, gemeinschaftliche Veranstaltungen und Feste, bei denen sie mit anderen Menschen in Kontakt kommen und ihre Gefühle miteinander teilen können.
Während der Sommerabende finden in den Städten und Dörfern der Insel Kunstausstellungen sowie Theater-, Musik-, Film- und Tanzfestivals statt. Konzerte werden in Stadien, an archäologischen Stätten, auf venezianischen Festungsanlagen und in kleinen Freilichttheatern auf dem Land veranstaltet.
Die Gedenktage der Heiligen werden traditionell von großen Dorffesten begleitet. Kretische Lyra, traditionelle Tänze und gemeinsame Mahlzeiten beleben dann die Dorfplätze und die Höfe der Kirchen. Viele der damit verbundenen Bräuche sollen Elemente bewahrt haben, deren Ursprünge bis in die minoische Zeit zurückreichen.
Zahlreiche lokale Feste sind einem Produkt gewidmet, das mit einem bestimmten Dorf oder einer Region verbunden ist. Kartoffel-, Raki-, Zucchini-, Brot-, Wein-, Myzithra-, Graviera-, Schnecken-, Kirsch- und Apfelfeste sind nur einige Beispiele. Gewöhnlich werden sie von Musik, Tanz und kostenlosen Kostproben der jeweiligen regionalen Produkte begleitet.
Auch wenn der kurze kretische Winter beginnt, endet die Freude am Feiern nicht. Freunde und Familien versammeln sich an den Rakokazana, den traditionellen Raki-Brennereien, wo sich das Ritual der Destillation von Tsikoudia rasch in ein lebhaftes Fest mit Essen, Musik und Tanz verwandelt.
Die Kultur des Wassers und des Windes
Die begrenzten Wasserressourcen Kretas und die ungleichmäßige Verteilung der Niederschläge veranlassten die Bewohner zum Bau bedeutender Anlagen für die Sammlung und den Transport von Wasser. Noch heute beeindrucken die erhaltenen Teile des römischen Aquädukts, das die antike Stadt Chersonissos versorgte, sowie die Wasserbrücken des gewaltigen venezianischen Morosini-Aquädukts. Dieses leitete Wasser aus Quellen bei Archanes und Skalani bis in das Zentrum von Candia, dem heutigen Heraklion.
In den größeren Städten wurde das Wasser über kunstvoll gestaltete öffentliche Brunnen an die Bevölkerung verteilt. Der bekannteste ist der Morosini-Brunnen, auch Löwenbrunnen genannt, im Zentrum von Heraklion. In Regionen, in denen Wasser besonders knapp war, wie im gebirgigen Mirabelo, wurden große steinerne Zisternen und Brunnen errichtet, von denen viele bis heute erhalten sind.
Obwohl Kreta nicht für große Flüsse bekannt ist, besitzt die Insel einige der schönsten Steinbrücken Griechenlands. Die bekannteste ist die gewölbte Brücke von Preveli. Von besonderer archäologischer Bedeutung sind außerdem die antike Brücke von Eleftherna, die mit einem Kraggewölbe errichtet wurde, und die Elliniki Kamara bei Vrysses in Apokoronas.
In Westkreta, wo die Niederschläge ergiebiger sind, wurden zahlreiche Wassermühlen zum Mahlen von Getreide erbaut. Im trockeneren Osten Kretas nutzten die Bewohner dagegen die Kraft des Windes. So entstanden große Gruppen von Windmühlen, die im kretischen Sprachgebrauch als Milotopia bezeichnet werden. Der Windmühlenkomplex von Ambelos am Rand der Lassithi-Hochebene ist der größte traditionelle Steinwindmühlenpark Griechenlands. Weitere bedeutende Windmühlengruppen sind im gebirgigen Mirabelo erhalten.
Neben dem Mahlen von Getreide führte die Notwendigkeit, Wasser für die Bewässerung großer Anbauflächen zu fördern, zur Entwicklung leichter metallener Windräder. Diese einfachen, aber besonders einfallsreichen Konstruktionen pumpten Wasser aus Brunnen und drehten sich einst zu Tausenden auf den Hochebenen von Lassithi und Ziros.
In der Mitte des 20. Jahrhunderts gab es auf der Lassithi-Hochebene ungefähr 12.000 metallene Windräder. Zusammen bildeten sie das, was häufig als erster großer Windpark der Welt bezeichnet wird, mit einer geschätzten Gesamtleistung von etwa 5 MW.



















































