Architektur der Berge

Die Mitata

Die Mitata

Ein Mitato – im Plural Mitata – ist ein rundes, kuppelförmiges Steingebäude der kretischen Bergregionen. Diese charakteristischen Hirtenbauten sind vor allem im Psiloritis-Gebirge und in den Weißen Bergen zu finden. Ihre Bauweise hat sehr alte Wurzeln und erinnert an die Architektur der minoischen Zeit, als mit einem ähnlichen Kraggewölbesystem die traditionellen Tholosgräber errichtet wurden.

Die kunstvolle Konstruktion eines Mitato erfolgt ausschließlich aus sorgfältig ausgewählten und aufeinander angepassten Steinen. Dabei werden weder Mörtel noch andere Bindemittel verwendet. Die Steinreihen ragen nach oben hin schrittweise weiter nach innen, bis sie eine stabile Kuppel bilden. Diese Bauweise erwies sich als ideale Lösung für die kahlen und felsigen Gebirge Kretas, wo geeignetes Bauholz nur begrenzt verfügbar war, Steine dagegen im Überfluss vorhanden waren.

Die Widerstandsfähigkeit dieser Konstruktion zeigt sich darin, dass viele Mitata trotz ihres hohen Alters noch heute erhalten sind. Einige werden weiterhin von kretischen Hirten genutzt, die während der Sommermonate mit ihren Herden auf die hoch gelegenen Weideflächen ziehen und dort über längere Zeit leben.

Die Mitata dienen gleichzeitig als einfache Unterkünfte und als kleine, direkt an den Weideflächen gelegene Käsereien. Hier wird die frisch gemolkene Milch zu traditionellen Käsesorten verarbeitet und gelagert. Die dicken Steinwände sorgen im Inneren für eine vergleichsweise gleichmäßige Temperatur und schützen die Milchprodukte vor der sommerlichen Hitze.

Gewöhnlich liegt das Mitato neben einem steinernen Pferch, in dem Schafe und Ziegen zusammengetrieben, geschützt und gemolken werden. Im Inneren befinden sich ein Aufenthalts- und Schlafbereich, eine Feuerstelle sowie Platz zur Aufbewahrung und Reifung des Käses. In der Mitte der Kuppel gibt es häufig eine kleine Öffnung, durch die der Rauch des Feuers entweichen kann.

Die Bezeichnung Mitato wird auf das lateinische Wort metatum zurückgeführt, das eine Unterkunft oder einen vorübergehenden militärischen Rastplatz bezeichnete. Während der byzantinischen Zeit wurden ähnliche Bauten offenbar zur vorübergehenden Unterbringung reisender Soldaten, Boten und anderer Amtsträger genutzt. In dieser Hinsicht erfüllten sie eine Funktion, die mit der heutiger Berghütten vergleichbar war.

Besonders eindrucksvolle Beispiele dieser traditionellen Baukunst befinden sich auf der Nida-Hochebene bei Anogia. Die Mitata sind nicht nur Zeugnisse einer sehr alten Bauweise, sondern auch lebendige Bestandteile der traditionellen Viehzucht und Käseherstellung in den kretischen Bergen.

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