Die neuere Geschichte Kretas (1898 bis heute)
Nach dem Massaker an der christlichen Bevölkerung von Heraklion im September 1898 griffen die Großmächte ein und zwangen die letzten osmanischen Truppen, Kreta zu verlassen. Damit endeten mehr als zweieinhalb Jahrhunderte osmanischer Herrschaft. In den darauffolgenden Jahren verließ auch ein großer Teil der muslimischen Bevölkerung die Insel, während Kreta in eine neue politische Epoche eintrat.
Im Dezember 1898 wurde der autonome Kretische Staat unter dem Schutz der Großmächte gegründet. Obwohl Kreta formell noch unter der Oberhoheit des Osmanischen Reiches stand, verfügte die Insel nun über eine eigene Regierung, Verwaltung, Verfassung und Währung. Zum Hochkommissar wurde Prinz Georg von Griechenland ernannt, während Chania zur Hauptstadt des autonomen Staates wurde.
Eine führende Persönlichkeit dieser Epoche war Eleftherios Venizelos aus Chania. Sein politischer Konflikt mit Prinz Georg führte 1905 zur Revolution von Theriso, die eine demokratischere Verwaltung und die Vereinigung Kretas mit Griechenland forderte. Venizelos entwickelte sich später zu einer der bedeutendsten politischen Persönlichkeiten des modernen Griechenlands und bekleidete mehrfach das Amt des Ministerpräsidenten.
Am 1. Dezember 1913 wurde auf der Festung Firkas in Chania feierlich die griechische Flagge gehisst. Damit wurde die Vereinigung Kretas mit Griechenland offiziell besiegelt und der langjährige Wunsch der kretischen Bevölkerung nach der Enosis, der Vereinigung mit dem griechischen Staat, erfüllt.
Die Kämpfe der Kreter waren damit jedoch noch nicht beendet. Am 20. Mai 1941 begann mit dem groß angelegten Einsatz deutscher Fallschirmjäger die Schlacht um Kreta. Sie gilt als die erste große Luftlandeoperation der Geschichte und entwickelte sich aufgrund der strategischen Lage der Insel im östlichen Mittelmeer zu einer der bedeutendsten Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkriegs.
Neben den griechischen, britischen, australischen und neuseeländischen Truppen beteiligten sich auch zahlreiche kretische Zivilisten am Widerstand gegen die deutschen Angreifer. Obwohl die Insel nach schweren Kämpfen besetzt wurde, verursachte die unerwartet starke Gegenwehr den deutschen Fallschirmjägereinheiten außerordentlich hohe Verluste. Während der anschließenden Besatzungszeit entwickelte sich auf Kreta eine umfangreiche Widerstandsbewegung, auf welche die Besatzungstruppen mit Hinrichtungen, der Zerstörung ganzer Dörfer und zahlreichen Vergeltungsaktionen reagierten.
Nach dem Ende der deutschen Besatzung erhob sich Kreta erneut aus seinen Ruinen. Heute erinnern Denkmäler, Museen, Soldatenfriedhöfe und die Überreste militärischer Anlagen in allen Teilen der Insel an die Schrecken des Krieges, an den kretischen Widerstand und an die Bedeutung des friedlichen Zusammenlebens der Völker.
Noch immer sind auf Kreta zahlreiche Anlagen erhalten, welche die deutschen Besatzungstruppen zur Unterstützung ihrer Kriegsmaschinerie errichteten. Verlassene Bunker, Geschützstellungen, unterirdische Anlagen und Beobachtungsposten befinden sich unter anderem an den abgelegenen Kaps Lithino, Spatha, Aforesmenos und Drapano sowie bei Platanias und an vielen weiteren strategischen Stellen der Insel.
Zu den bedeutendsten Erinnerungsorten gehören der alliierte Soldatenfriedhof in der Souda-Bucht und der deutsche Soldatenfriedhof von Maleme. Letzterer liegt oberhalb des historischen Flugplatzes, der während der Schlacht um Kreta heftig umkämpft war und für den Verlauf der deutschen Invasion eine entscheidende Rolle spielte.
Die Schlacht um Kreta war die erste groß angelegte Luftlandeoperation der Geschichte.

































































