Architektur
In den großen Städten Kretas sind einige der eindrucksvollsten architektonischen Werke aus der venezianischen und osmanischen Zeit erhalten. Festungen, Häfen, Paläste, Brunnen und Gotteshäuser ziehen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Im Landesinneren prägen dagegen Steinbrücken, Wasser- und Windmühlen, Aquädukte, Zisternen und kleine Kapellen das traditionelle Landschaftsbild.
Die traditionelle Architektur Kretas vereint lokale Bautechniken mit venezianischen und osmanischen Einflüssen. Diese Verbindung ist noch heute an zahlreichen alten Häusern zu erkennen. Zu den charakteristischen Elementen gehören die steinernen Bogentore aus venezianischer Zeit und das osmanische Sachnisi, ein geschlossener, aus der Fassade hervortretender Holzerker. Viele dieser architektonischen Formen wurden auch in späteren Wohnhäusern übernommen.
Das traditionelle kretische Bauernhaus stellt eine Weiterentwicklung der prähistorischen Wohnhäuser der Insel dar. Es wurde überwiegend aus lokalem Stein errichtet und besaß ein flaches Dach aus Holzbalken, Ästen und festgestampfter Erde. Im Inneren befanden sich häufig nicht nur die Wohnräume der Familie, sondern auch ein abgetrennter Bereich für die Tiere.
Zu den wichtigsten Merkmalen gehörte eine erhöhte hölzerne Schlafplattform, die als Patari bezeichnet wurde. Die offene Feuerstelle, die sogenannte Parastia, diente sowohl zum Kochen als auch zum Beheizen des Hauses. In die dicken Steinwände eingelassene Nischen wurden zur Aufbewahrung von Küchenutensilien, Lebensmitteln und anderen Gegenständen des täglichen Bedarfs genutzt.
Zu den außergewöhnlichsten traditionellen Bauwerken Kretas gehören die Mitata, die vollkommen an die Bedürfnisse und besonderen Bedingungen der Bergregionen angepasst sind. Es handelt sich um kleine, runde Kuppelbauten, die ausschließlich aus trocken aufgeschichteten Steinen und ohne Mörtel errichtet wurden. Ihre Bauweise erinnert an die minoischen Tholosgräber, bei denen die Steinreihen nach oben hin schrittweise vorspringen, bis sich die Kuppel schließt.
Die Mitata wurden von Hirten als saisonale Unterkünfte und einfache Käsereien genutzt. Hier konnten sie weit entfernt von ihren Dörfern übernachten, ihre Schafe und Ziegen sammeln und melken sowie Milch zu Käse verarbeiten und lagern. Die dicken Steinmauern hielten die Temperatur im Inneren vergleichsweise stabil und boten Schutz vor der starken Sonne, dem Wind und den niedrigen Temperaturen der kretischen Berge.
Mitata sind in vielen Gebirgsregionen Kretas erhalten. Die bekanntesten und charakteristischsten Beispiele befinden sich auf der Nida-Hochebene bei Anogia, im Herzen des Psiloritis-Gebirges. Dort werden einige dieser uralten Steinbauten noch heute von Hirten für die Herstellung und Reifung traditioneller Käsesorten genutzt.



















































