
Kleinstadt Neapolis
Neapolis ist eine geschichtsträchtige Kleinstadt in der Provinz Mirabello, die in einem fruchtbaren Tal mit dichten Olivenhainen, alten Kirchen, neoklassizistischen Gebäuden und gepflegten Gärten liegt.
Neapolis befindet sich etwa 54 km östlich von Heraklion und 15 km westlich von Agios Nikolaos in der grünen Ebene von Mirabello. Seine Lage am natürlichen Übergang zwischen Zentral- und Ostkreta trug wesentlich zur wirtschaftlichen und administrativen Entwicklung des Ortes bei.
Während der venezianischen Herrschaft war das Gebiet mit einer kleinen Siedlung namens Kares verbunden. Die spätere Siedlung wurde als Kenourgio Chorio, also „Neues Dorf“, bekannt. Dieser Name erscheint bereits in venezianischen Quellen des 16. Jahrhunderts. Im Jahr 1868 verlegte Adosidis Pascha den Verwaltungssitz von Lasithi hierher und gab der Siedlung den Namen Neapolis. Die Stadt blieb bis 1904 Hauptstadt von Lasithi, bevor der Verwaltungssitz nach Agios Nikolaos verlegt wurde.
Rundgang durch Neapolis
Die frühere administrative Bedeutung von Neapolis ist noch heute an den historischen öffentlichen und neoklassizistischen Gebäuden erkennbar. Dazu gehören das Gerichtsgebäude, das ehemalige Gymnasium, das Krankenhaus und die Gebäude der Metropolie von Petra und Cherronissos. Das Historische und Volkskundliche Museum ist im Gebäude des ersten Gymnasiums der Stadt untergebracht und präsentiert das Alltagsleben, die Geschichte und die Traditionen von Ober-Mirabello. In Neapolis befindet sich außerdem die städtische Iliakios-Bibliothek.
Den zentralen Platz beherrscht die imposante Metropolitankirche Megali Panagia, die größte Kirche Ostkretas. Rund um den Platz befinden sich Cafés und Geschäfte. Hier kann man auch die traditionelle Soumada probieren, ein süßes Getränk aus Mandeln, das auf Kreta bei Festen und freudigen Anlässen angeboten wird.
Ein Spaziergang durch die Gassen des Viertels Agios Dimitrios führt zum alten Aquädukt und zum Serail des Maslum Karakasis, in dem Adosidis Pascha seinen Wohnsitz hatte. Etwas südwestlich der Stadt liegt der Pashaligo-Hain, eine grüne Landschaft mit fließendem Wasser, den Ruinen alter Wassermühlen und den Überresten des Turms des venezianischen Feudalherrn Filippo Pasqualigo.
In der Nähe von Neapolis befindet sich außerdem die Kirche Agios Georgios der Blutbefleckte. Ihr Name geht auf eine örtliche Überlieferung zurück. Demnach drangen osmanische Soldaten 1770, während des Aufstands von Daskalogiannis, während der Vesper in die Kirche ein und töteten den Priester und Angehörige der Gemeinde.
Das antike Dreros
Etwa 2 km nordöstlich von Neapolis befinden sich auf dem Berg Kadistos, nahe der Kapelle des Heiligen Antonius, die Ruinen des antiken Dreros. Die Stadt wurde von Eteokretern und Doriern bewohnt und erlebte vor allem in geometrischer, archaischer und hellenistischer Zeit ihre Blüte. Ihre Bedeutung beruhte teilweise auf der Kontrolle des natürlichen Übergangs zwischen Zentral- und Ostkreta.
Das bedeutendste Monument von Dreros ist der Tempel des Apollo Delphinios oder Pythios, einer der ältesten bekannten griechischen Tempel. In seinem Inneren wurde die berühmte „Triade von Dreros“ entdeckt: drei getriebene Bronzefiguren aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., die als Apollo, Artemis und Leto gedeutet werden. Sie werden heute im Archäologischen Museum von Heraklion ausgestellt. Aus Dreros stammen außerdem bedeutende Gesetzesinschriften, darunter einige der ältesten erhaltenen Beispiele schriftlich festgehaltener griechischer Gesetzgebung.
Die Kirche Megali Panagia
Das alte Kloster Megali Panagia bestand bereits vor der osmanischen Eroberung Ostkretas. Im Jahr 1819 erhielt Bischof Ioakim Klontzas von Petra die Erlaubnis, die zerstörte Klosterkirche wiederaufzubauen. Damals entstand die kleine einschiffige Kirche Megali Panagia Fermalina, die neben der heutigen Kathedrale erhalten ist.
Mit ihrer Errichtung ist die Überlieferung von einem dreiköpfigen Ausschuss verbunden, der nach Konstantinopel reiste, um eine Baugenehmigung zu erhalten. Der Erzählung zufolge wurden die drei Männer in Heraklion inhaftiert, entgingen ihrer Hinrichtung jedoch, weil der Scharfrichter kurz vor dem festgesetzten Termin starb. Anschließend erhielten sie die Erlaubnis, die Kirche innerhalb von vierzig Tagen zu errichten. Christen aus den umliegenden Provinzen sollen in großer Zahl geholfen und die Steine vom Steinbruch bis zur Baustelle von Hand zu Hand weitergereicht haben.
Die heutige monumentale Metropolitankirche ist ein jüngeres Bauwerk. Ihr Grundstein wurde 1889 gelegt, die Arbeiten dauerten mehrere Jahrzehnte und wurden 1927 abgeschlossen. Sie darf daher nicht mit der kleinen Kirche von 1819 verwechselt werden, auf die sich die Überlieferung von den vierzig Tagen bezieht.


Kremasta Kloster bei Neapolis

Alte Dreros

Koufi Petra Kloster bei Neapolis

Pashaligo Hain

Fraro Kloster in Neapolis















































































