Nachminoische Höhensiedlung

Kyrimianou

Nachminoische Höhensiedlung Kyrimianou
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Hoch über dem Dorf Myrthios in der Provinz Agios Vasilios bei Rethymnon erhebt sich der 805 Meter hohe Gipfel Kyrimianou. Es handelt sich um eine außergewöhnlich schroffe und steile Landschaft mit nur spärlicher Vegetation. Lediglich einige uralte Zypressen haben hier die Jahrhunderte überdauert und erinnern daran, dass das Gebirge, das sich über dem Tal von Agios Vasilios erhebt und dessen höchster Gipfel die Kouroupa ist, als geologische Fortsetzung der Weißen Berge gilt.

Auf der südlichen Seite ist der Aufstieg zum Gipfel zwar etwas weniger steil, doch es gibt dort keine Straße und der Weg erfordert eine sehr schwierige Wanderung durch unwegsames Gelände. Der kürzeste Zugang erfolgt von Norden, genauer gesagt vom Ortsteil Kanevos des Dorfes Agios Ioannis. Von dort beginnt ein rauer Schotterweg, der zunächst an der malerischen kleinen Kirche der Panagia vorbeiführt und anschließend das Hochland von Lakkoudia erreicht.

In diesem Gebiet entspringen die Wasserquellen, die den reißenden Bach mit seinen zahlreichen Wasserfällen in der Boutsinas-Schlucht speisen. Oberhalb von Lakkoudia wird der Weg sehr steil und schwierig, bis er am Bergsattel von Kyrimianou, etwas oberhalb der Quelle Anatoliko, endet. Aus dieser Quelle tritt das ganze Jahr über klares Wasser zwischen den Felsen hervor. Sie diente vermutlich auch den Bewohnern der Siedlung auf dem Gipfel als wichtigste Wasserversorgung.

Über der Quelle erhebt sich das eigentliche Felsmassiv des Kyrimianou. Eine nahezu senkrechte Steilwand bildet hier eine scheinbar unüberwindliche natürliche Befestigung. Beim ersten Anblick ist kaum vorstellbar, dass der Gipfel von der Nordseite erreicht werden kann. Am Fuß der nordwestlichen Flanke verläuft jedoch über eine Länge von ungefähr 200 Metern ein schmales Felsband, das eine Art natürlichen Pfad bildet. Wer den Einstieg findet, kann über diese Passage mit äußerster Vorsicht auf den Gipfel gelangen.

Die Ostseite wird von einer hohen senkrechten Felswand geschützt, die einen Aufstieg praktisch unmöglich macht. An der Westseite fällt der Berg über eine fast 300 Meter hohe Steilwand ab, eine der eindrucksvollsten senkrechten Felsflanken Kretas. Sie bildet zugleich die östliche Wand der Kotsyfos-Schlucht, die sich unmittelbar unterhalb des Gipfels von Kyrimianou öffnet.

Die geheimnisvolle Landschaft von KyrimianouDie geheimnisvolle Landschaft von KyrimianouAuf diesem außergewöhnlich wilden, 805 Meter hohen Gipfel errichteten die alten Kreter während der sogenannten Dunklen Jahrhunderte, zwischen dem 12. und dem 8. Jahrhundert v. Chr., eine kleine befestigte Siedlung. Aus Furcht vor feindlichen Angriffen suchten sie einen abgeschiedenen und nahezu uneinnehmbaren Zufluchtsort und wählten diesen Platz oberhalb der gewaltigen Felswände.

Der Gipfel liegt häufig innerhalb oder sogar oberhalb der Wolkendecke. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit in den umliegenden Tälern entstehen regelmäßig Nebelbänke, die tief über den Berghängen liegen, während die Spitze von Kyrimianou über den Wolken sichtbar bleibt. Diese besondere Lage bot den Bewohnern zusätzlichen Schutz und erschwerte es möglichen Angreifern, die Siedlung überhaupt zu entdecken.

Besonders überraschend ist, dass sich zwischen den scharfkantigen und steil aufragenden Felsen des Gipfels drei kleine, relativ ebene Flächen befinden. Diese natürlichen Plateaus wurden für die Errichtung einfacher Wohnhäuser und vermutlich weiterer Gebäude genutzt. Noch heute sind dort verstreute Steine, wenige Keramikscherben sowie die Fundamente von Mauern und Räumen zu erkennen. Einige Felsen weisen Bearbeitungsspuren auf, was darauf hindeutet, dass Teile der Häuser direkt in den natürlichen Fels integriert waren.

Auf dem größten Plateau, das vermutlich den Hauptbereich der Siedlung bildete, befindet sich an der Südseite eine weniger als einen Meter breite Felsspalte. In dieser waren große Steine verkeilt worden, sodass eine primitive Treppe entstand, die von der südlichen Steilseite hinauf zum bewohnten Gipfel führte.

Das eindrucksvollste Merkmal des zentralen Siedlungsbereichs ist seine nahezu vollständige Unsichtbarkeit. Das kleine Plateau liegt in einer natürlichen Vertiefung und wird ringsum von großen Felsen umschlossen. Die tiefer gelegenen Gebäude waren dadurch selbst von den gegenüberliegenden und höheren Gipfeln aus kaum zu erkennen. Kyrimianou war somit nicht nur eine natürlich befestigte Siedlung, sondern auch ein hervorragend verborgenes Refugium.

Vom Gipfel des Kyrimianou eröffnet sich ein spektakulärer Blick auf die Kotsyfos-Schlucht und die Weißen Berge im Westen, auf die Südküste Kretas, die Dörfer Myrthios und Sellia sowie auf einen großen Teil des zentralen Rethymnon.

Am Fuß der steilen Felswand sind noch heute alte, inzwischen verlassene landwirtschaftliche Terrassen erhalten. Zwischen ihnen finden sich vereinzelt Keramikscherben, die von der langjährigen menschlichen Nutzung des Gebiets zeugen. Wenige Meter nordwestlich von Kyrimianou erhebt sich zudem die eindrucksvolle Felsformation Monopetra. Etwas weiter entfernt liegt der ebenfalls steile Felsen Viglaki, dessen Name „kleiner Wachposten“ bedeutet. Von seinem Gipfel konnte die gesamte umliegende Landschaft überwacht werden.

Informationen: Christoforos Cheiladakis

Weitere Informationen

Ort: Präfektur Rethymnon
Typ: Alte Siedlung
Zugang: Trekking
Epoche: Dunkle Jahrhunderte (1200 v. Chr. - 800 v. Chr.)

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